Baby-Benz

Der Baby-Benz W201-190er


Vor 25 Jahren sorgte dieser Wagen nicht gerade für Begeisterung und kam mit seiner Form einem Tabubruch gleich. Heute ist er aber ein zeitloses, ganz nett anzusehendes Fahrzeug.
 
 

12.Dezember 1982


Mercedes-Benz brachte eine neue Baureihe heraus:
Das schlicht 190 genannte Auto sollte die Kunden anziehen, denen die bisherigen Baureihen zu teuer und zu groß waren. Es stellten sich nun bei den MB Ingenieuren einige Fragen:

Wie musste ein kleinerer Mercedes aussehen?
Was sollte er können?
Passte denn dieser überhaupt zur Marke?

 
Antworten fand man erstmals im Jahre 1974. Das neue Modell erhielt die interne Bezeichnung W201. Erst 1977 war endgültig klar, dass etwas Neues kommen müsste. Für neue Entwicklungen und Konstruktionen wurde der übliche Aufwand betrieben.

Prototypendesign


Allein 53 komplett von Hand gefertigte Prototypen entstanden. Auch beim Fahrwerk wurde viel probiert. Es wurden acht Grundkonstruktionen in mehr als 70 Varianten getestet.
Designer Bruno Sacco entwarf eine Mischung aus Kantigkeit und Keilform für die Außenhaut. Der Innenraum ist vergleichsweise eng und war für Mercedes-Benz Besitzer gewöhnungsbedürftig. Ein Gemisch aus Kunststoff und schlichten Polstern war dem alten Stil von Chrom und Leder gewichen.
Der Verkaufsstart gestaltete sich jedoch anders. Nach und nach gewöhnten sich die Autofahrer an die modernen Formen und verfielen wieder in die gewohnte Haltung, dass ein Mercedes eben ein Mercedes war. Die Mercedes Fahrer gewöhnten sich aber schnell an die Vorzüge des kleinen Baby-Benz.

Das Facelift


Zum Feinschliff gab es nicht nur eine neue Motorenpalette. Es wurde später auch für "Luxus" gesorgt, ein stärkerer Heckklappen-Griff und auch Holz im Bereich des Schalthebels. 1985 erhielt er einen Hubwischer, der mit seiner Mechanik dafür sorgte, dass Regentropfen auch in entfernten Winkeln der Scheiben weggewischt wurden. Ein Facelift gab es 1988, als die so genannten Sacco-Bretter Einzug hielten. So wurden jene Kunststoffblenden in den unteren Bereichen der Türen genannt, die Designer Sacco so schick fand, dass sie Serienstandard wurden.

Eine Motorsportkarriere


Der 190er machte auch noch eine Sportkarriere in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM). Käufer durften ab 1984 zu den Sportmodellen 2.3-16 oder später 2.5-16 greifen. Insgesamt wurden nach offiziellen Angaben bis zum August 1993 mehr als 1,879 Millionen Fahrzeuge vom Typ 190 gebaut. Kein weiterer Mercedes wurde mit der Bezeichnung 190 ausgeliefert. Es gab dafür einen einfachen Grund. Man hatte sich zwischenzeitlich von der alten Hierarchie der Modellbezeichnungen verabschiedet. Was früher 190 hieß, gilt heute als C-Klasse und ist aus der Modellpalette nicht mehr wegzudenken.